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Campingtour zum Mözener See
von Axel Rodeike
Weiter nach Schmalfeld und die Hotelgaststätte gesucht und gefunden, wo wir uns mit einer Nordsee -Scholle und den üblichen Beilagen die Energietanks wieder auffüllten. Wofür eigentlich? Wir hatten doch hauptsächlich Rückenwind und auch viel Zeit, denn von Elmshorn aus ermittelten wir ca. 60 km. So ließen wir uns ganz gemütlich treiben und haben ein wenig mitgetreten.
Weiter die Route über Bentfurt, Hartenholm, Voßhöhlen, Todesfelde und Bark an die B 206. Dort rechts ab und dann der Ausschilderung zum Campingplatz gefolgt. Plötzlich ging es ganz gewaltig auf und ab und wir erblickten über und unter uns Zelte und Wohnwagen. Dann sahen wir die roten Backsteingebäude, die die Sanitären Anlagen beinhalten. Dort gegenüber ist die Rezeption, ein Imbiss, eine Kneipe, ein Kiosk und ein Cafe. In der Rezeption war gerade ein langes Gespräch mit künftigen Dauercampern, dass uns ein Platzwart erst mal gezeigt hat, wo wir unsere Zelte aufbauen können. Nach Kompass sind die ersten Sonnenstrahlen morgen früh die unseren. Ich hatte auch noch eine eifrige kleine Hilfe. Der kam mit seinem Kettcar angefahren und fragte mich, ob ich auf meinem Fahrrad auch gut sitzen kann. Ich sah zu ihm herüber, und antwortete: "Ich sitze darauf genauso, wie du jetzt, nur dass ich meine Arme hängen lass, weil mein Lenker unterm Sitz ist". Als die Zelte standen, gingen wir uns anmelden. 9,30 Euro pro Person/ Nacht. Für Gruppen kostet's ab 10 Personen 5,50 Euro. Angeboten wird auch Frühstück. Der Platz ist auch schon mehrfach vom ADAC ausgezeichnet worden. Dann das wichtigste: Die WC's sind sauber, Haken für Jacke sind vorhanden und Klopapier ebenfalls. Händewaschen mit kaltem Wasser. In den Räumlichkeiten Duschen/ Waschen kann man sich auch mit 20 Cent ein wenig warmes Wasser gönnen. Einen Spaziergang an den See.
Badestelle ja. Strand nein. Ein bisschen das Ufergestrüpp gerodet und ein Haufen Sand hingekippt. Dazu das Warnschild, dass der Mözener See mit Blaualgen belastet ist.
Wenn man im Knietiefen Wasser die Füße nicht mehr sieht, wird’s bedrohlich. Das Wasser war aber schon wesentlich trüber. Es war aber ein sehr großer Nichtschwimmerbereich gekennzeichnet. Die Liegewiese davor soll laut einem Schild gebührenpflichtig sein. In eine Richtung ist die Liegewiese mit dem Spielplatz begrenzt durch eine Einzäunung. Privatgelände der "Wassersportfreunde Wittenborn". Das ganze gehörte aber gar nicht zum Campingplatz, sondern war eine öffentliche Badestelle der Gemeinde Wittenborn. Noch in Erfahrung gebracht: Um den See einmal rum sind das ungefähr 9 km und die Wanderwege führen da aber nicht längs. Also dann den Campingplatz in seiner vollen Ausdehnung beäugt. Das Talgebiet unterhalb der Steingebäude ist vielleicht höchstens die Hälfte. Hinter den Gebäuden, immer "Richtung bergauf" ist auch eine kleine Zelt-Wohnwagenstadt aufgebaut, die ihre letzen Ausläufer mitten im Gehölz hat.
Sieht alles richtig abenteuerlich und ein wenig spießig aus. Wohl wegen der vielen Gartenzwerge. An diesem Abend war "Bergfest". So richtig mit Musik, Lichtorgel, Würstchen und Bier. Die scheinen hier wohl öfter mal so etwas zu veranstalten. Kneipe und Imbiss und so machen eigentlich erst um 22:00 Uhr zu, aber wegen dem Fest, welches um 19:00 Uhr beginnt, schließt das ganze schon um 18:00 Uhr. Natürlich muss es mir um 18:15 Uhr einfallen, dass ich Durst habe. Nach laaaanger Wartezeit stürzten wir uns dann auf den Grill und vertilgten jeder eine Scheibe Lamm mit Nudelsalat. Ließ sich nicht ganz unfallfrei essen, war aber doch erstaunlich gut. Die Musik war nicht schön, aber laut, wenn überhaupt von Musik die Rede sein kann. Synthesizererzeugte Einzeltöne, wo eine unbekannte Stimme irgendeinen Allerweltstext dazuträllert. Hauptsache ein rhythmisches "Bum-tschak", wonach man tanzen kann. Das nutzten die Anwesenden aber auch richtig aus. Alles war gut gelaunt und ich nach dem zweiten Bier auch. Jan verhielt sich antialkoholisch. (Irgendjemand muss mich ja zum Zelt zurückschleifen :-)
Als ich mir um ca. 23:00 Uhr noch die Zähne putzen wollte, sah ich mit Erschrecken auf den Schildern an den Türen der Dusch- und Waschräume, dass diese von 22:00 Uhr bis 6:00 Uhr geschlossen sind. Zähneputzen also in den WC Räumen mit kaltem Wasser. Das fand ich aber gar nicht witzig. Nachdem ich im Schlafsack verschwand, dauerte es auch nicht mehr lange, und mit Bum-tschak war Schluss. Der nächste Morgen begrüßte uns mit Sonnenschein und Vogelzwitschern. Die Prophezeiung meiner Kompassabschätzung ging in Erfüllung. Von der Sonne erschlagen rissen wir die Zelte ab.
Zum Geschirr spülen kostet es ebenfalls 20 Cent, wenn man dafür warmes Wasser verwenden möchte. Um 9:00 Uhr Frühstück mit Brötchen, Aufschnitt, Marmelade, Nuss Nougat Creme, einem Ei und Kaffee. Und Abfahrt. Diesmal sind wir nicht nach rechts auf die B 206, sondern geradeaus durch eine Wohnstraße und dann durchs Industriegebiet Wittenborn gefahren. Am Sonntag natürlich schön ruhig. In Bark weiter geradeaus durch das Naturschutzgebiet bis nach Hartenholm.
Von
dort weiter über den Wolfsberg nach Schmalfeld und dann die gleiche Strecke, die
wir kamen auch wieder zurück. In Barmstedt kehrten wir noch zum Essen ein, bevor
wir wieder über den Krückauwanderweg nach Elmshorn fuhren. Fazit: Der
Streckenverlauf ist ein Gedicht. Toll zu fahren mit phantastischen Ausblicken.
Der Campingplatz "Weisser Brunnen" am Mözener See scheint mir doch ein wenig zu
spießig und total überorganisiert, dass man als Einfachübernachter das Gefühl
haben könnte, das Personal zu überfordern oder einfach überrumpelt zu werden.
Das soll aber nicht heißen, dass ich den Campingplatz negativ beurteilen möchte.
Wir wurden zu keiner Zeit unfreundlich oder herabwertend behandelt, jedoch
entspricht er nicht ganz unseren Anforderungen vom Liegeradstammtisch. |